MGV "Eintracht" 1869 Breidenstein
MGV "Eintracht" 1869 Breidenstein

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Auszug aus der Geschichte der Stadt Breidenstein bis 1998

Die Gemarkung
Die Gemarkung Breidenstein ist entstanden aus dem Gebiet der später aufgelösten Gemeinde Melsbach und dem Hofgut Roßbach, das bis 1910 eine eigene Gemarkung besaß.


1277 - Ersterwähnung
Am 9. Juni 1277 vergleichen sich die Grafen von Wittgenstein und die Ritter von Dernbach wegen eines Burgbaues, den Ritter Gerlach von Breidenbach und dessen Stiefsöhne Craft und Volpert von Hohenfels unter dem Schutze Gottfrieds von Sayn und Ottos von Nassau in bedrohlicher Nähe der Wittgensteiner begonnen hatten. Man nimmt an, daß es sich hierbei um den Burgbau in Breidenstein handelte. Die Geschichte Breidensteins hängt eng mit dem hier ansässigen Adelsgeschlecht zusammen. Die Geschicke des Ortes sind in weitem Umfang durch dieses mitbestimmt worden.


13. und 14. Jahrhundert - Adelsgeschlechter im Breidenbacher Grund
In den Auseinandersetzungen zwischen den Landgrafen von Hessen und den Erzbischöfen von Mainz gingen die Landgrafen als Sieger hervor.
Mehrere Adelsgeschlechter breiteten sich in unserer Gegend aus. Durch Erbschaft, Kauf, ganerbliche Verbindungen und anderer Rechte gelang es den Herren von Breidenbach im Laufe der Zeit, sich durchzusetzen, während die anderen Adelsgeschlechter verschwanden.
Die Herren von Breidenbach werden zuerst in einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried I von Mainz am 5.September 1213 erwähnt. Als Herren des Breidenbacher Grundes wohnten sie bis 1395 in ihrem Schoß zu Breidenbach, welches hinter dem Kirchhof lag.


1387 beabsichtigen die Herren von Breidenbach ...
... im nassauischen Lehngericht Eisenhausen eine Burg zu errichten. Wegen der Abgeschiedenheit zum Lahntal wird dieser Plan fallengelassen und stattdessen auf dem Hubenberg in Breidenstein gebaut.


1395
Am 8. Juli 1395 tragen die Brüder Gerlach und Johann von Breidenbach den Hubenberg im Gericht Melsbach mit der Burg, die sie darauf bauen - genannt Breydenstein - dem Landgrafen Hermann zu Lehen auf und empfangen ihn als Mannlehen zurück.

Die Burg stand zunächst isoliert auf dem felsigen Hubenberg. Von ihren Mauern und Türmen hatte man nach allen Seiten freie Sicht und somit die Kontrolle sowohl über das Lahntal, als auch das Perftal.

Von dieser mittelalterlichen Burganlage sind noch Grundmauern, Reste eines Tiefbrunnens und ein Gang, der in den Berg führt erhalten.


1398
Am 8. Januar 1398 gestattete Kaiser Wenzel in einer in Frankfurt am Main ausgestellten Urkunde den Brüdern Gerlach und Johann von Breidenbach, zu ihrer Veste Preitenstein, uff der Lone gelegen, ein Städtlein zu bauen. Die ersten Einwohner (6 oder 7 Familien) wurden aus dem nahegelegenen Ort Melsbach geholt.

Der Ort Melsbach lag in der heutigen Gemeinde Breidenstein am Elsbach. Melsbach wird 1308 als Melspach, 1316 als Melisbac erwähnt. 1324 besaß Volpert von Hohenfels hier einen Hof. 1386 heißt der Ort Elsbach. Nach dem Ort Melsbach wurde auch das Gericht benannt, zu dem die Orte Achenbach, Kleingladenbach, Oberdieten, Wallau (im Elsbach), Weifenbach und Wiesenbach gehörten und das seit 1395 hessisches Lehen der Herren von Breidenbach war.

Nach 1398 verließen immer mehr Bürger, wenn auch nur zögernd, den Ort Melsbach, um am Südhang des Hubenberges unterhalb der Burg Breidenstein ihre Häuser aufzubauen. In dem verlassenen Ort Melsbach bestand zumindest ein Hof auch in Zukunft weiter. 1482 trat Wittekind von Hohenfels seine Gerechtigkeit am Bäumlerhof zu Melsbach an Johann von Breidenbach ab. Er wird danach noch in den Jahren 1722, 1726, 1761 und 1854 urkundlich erwähnt. Der Friedhof Melsbach wurde noch bis 1631 von der Stadt Breidenstein genutzt.

1863 stirbt der letzte Besitzer des Hofes Melsbach, Johann-Jakob Simmer.

1898, Melsbach ist völlig wüst. Ab diesem Jahr wird Melsbach im Staats- und Kommunaladreßbuch für den Regierungsbezirk Wiesbaden nicht mehr geführt.

Ein Teich, den Pappeln umgeben, erinnert noch an die ehemalige Ortschaft: der Elsbicher Weiher.

Die neue Siedlung Breidenstein nannte man auch "Im Tal", ihre Bewohner hießen "Tal-Leute". Vom neuen Wohnort aus betrieben sie wie bisher Landwirtschaft. Handwerk und Handel als Grundlagen und Zeichen städtischen Wirtschaftslebens fehlten völlig. So ist auch zu erklären, daß Breidenstein zwar Stadtrechte besaß, aber nie den dörflichen Charakter ablegen konnte.


1457
Nach einem Schiedsbrief aus dem Jahre 1457 führen die Herren von Breidenbach den Zusatz Breidenstein in ihrem Namen. Die Nachkommen Gerlachs des Älteren den Zusatz "zu Breidenstein" Die Nachkommen Johanns des Älteren schrieben sich "genannt Breidenstein".


1594
Das Gericht Breidenstein wird zum ersten Male genannt.


1630
Ersterwähnung der Breidensteiner Kapelle und der Breidensteiner Mühle (bewohnt bis 1925, später abgerissen). Der Mühlweiher am Roßbacher Weg besteht heute noch.


1647 - Wohnsitz der Familien von Breidenbach
Nachdem in Biedenkopf durch eine Feuersbrunst 150 Gebäude, unter denen sich auch die "Hufenburg" der Herren von Breidenbach befand, eingeäschert worden waren, nahmen sie ihren Wohnsitz in Breidenstein. Der alte Hof ist ein Eichenfachwerkbau und liegt am Südhang des Hubenberges unterhalb der alten Burgruine. Zur Südseite hin schließt er mit seinen vier mit Schiefer verkleideten Stockwerken das Tal der Perf prachtvoll ab. Die nördliche Hofseite hat nur zwei Stockwerke. Der Ostteil des Gebäudes stammt aus dem Jahre 1399. Der Westteil aus den Jahren 1712 bis 1714. An der Hofseite stehen zwei sogenannte "Zwerchhäuser". Der alte Hof diente ursprünglich als Verwalterhaus und wurde nach dem Zerfall des Schlosses als Wohnung der Familie von Breidenbach, genannt Breidenstein genutzt. Das Neue (obere) Schloß, ein Neubau aus den Jahren 1909/1910, das Albert von Breidenbach errichtete, liegt neben der alten Burg.

Beide Gebäude sind als Wahrzeichen der Stadt Breidenstein heute noch von weitem sichtbar.


1797
Gründung des Breidensteiner Hammerwerkes (Stahlhammer) durch Friedrich Karl von Breidenbach, genannt Breidenstein.


1802
Verleihung der Marktrechte durch Ludwig X., Landgraf zu Hessen


1813
Ende der Leibeigenschaft. Hierzu mußte die Stadt Breidenstein eine Entschädigungssumme von 551 Gulden und 4 Kreuzern aufbringen. Die Tilgung dieser Schuld, für schier unmöglich gehalten, dauerte bis 1835.


1837 bis 1841
Bau der Fernstraße (Landstraße) von Wallau über Breidenstein nach Simmersbach.


1846
Bau des Brunnenbehälters am Eingang zur Schloßstraße.


1869
Am 12. Mai wird der älteste, heute noch bestehende Verein Breidensteins, der Männergesangverein "Eintracht" 1869 Breidenstein gegründet.


1911
Am 1. Mai 1911 fährt der erste Zug durch Breidenstein, auf der Strecke von Wallau über Breidenbach nach Dillenburg.


1930
Das Gemeindebackhaus und das Spritzenhaus brannten ab. 1931 wurden Backhaus und Spritzenhaus neu aufgebaut. Dort wurde auch die Stadtverwaltung (das Bürgermeisteramt) integriert.


1936
Entzug der Stadtrechte durch den Landrat des Kreises Biedenkopf. Der Landrat ordnete an, die Ortseingangsschilder mit der Aufschrift "Stadt Breidenstein" zu entfernen. Trotz zweimaliger Aufforderung kam der Bürgermeister dieser nicht nach. Daraufhin ließ der Landrat die Schilder durch Polizeibeamte entfernen.


1954
Bereits am 30. September 1953 verfügte der Regierungspräsident in Wiesbaden, daß die 1398 von König Wenzel der Gemeinde Breidenstein verliehenen Rechte einer Stadt in der nationalsozialistischen Zeit nicht rechtswirksam aberkannt worden sind. Die Gemeinde Breidenstein ist daher berechtigt, die Bezeichnung "Stadt" zu führen. Die Wiederverleihung der Stadtrechte wurde am 4. September 1954, unter großer Beteiligung der Bevölkerung, festlich begangen. Den Höhepunkt dieses Festes bildete eine Feierstunde im Hof des Schlosses der Freiherren von Breidenbach zu Breidenstein, an der Vertreter der hessischen Landesregierung, des Kreises Biedenkopf, die Bürgermeister der benachbarten Gemeinden und eben die Einwohner von Breidenstein teilnahmen. Verbunden mit der Wiederverleihung der Stadtrechte erhielt Breidenstein auch die offizielle Genehmigung zum Führen eines Stadtwappens und einer Stadtflagge.


1955
Am 1. Oktober 1955 erhielt die Stadt Breidenstein eine Haltestelle an der Bahnstrecke Wallau-Dillenburg.


1959
Fertigstellung und Einweihung des Kirchlichen Gemeindezentrums, das aus dem Gemeindehaus (Kirche) und dem Pfarrhaus besteht.


1961
Am 10. September Fertigstellung und Einweihung des Bürgerhauses im neuen städtischen Mittelpunkt (Untere Haide). In diesem Gebäude sind ein neuer Kindergarten für ca. 40 Kinder, die Stadtverwaltung, das Stadtarchiv und die Stadtbücherei integriert. Um diesen neuen Mittelpunkt herum sind ferner das Backhaus, das Feuerwehrgerätehaus, der Feuerwehrturm (Schlauchturm) mit Stadtuhr und ein Kinderspielplatz angesiedelt.


1961 bis 1962
Ausbau der Ortsdurchfahrt (Bundesstraße B 253). Das 1931 neu errichtete Backhaus/Spritzenhaus/Bürgermeisteramt mußte abgerissen werden.


1965
Am 1. Mai wird die Stadt Breidenstein mit den Gemeinden Wolzhausen und Quotshausen ein selbständiges Kirchspiel und scheidet aus dem Kirchspiel Breidenbach aus.


1967
Am 28. Oktober 1967 wird das neue Schulgebäude der Grundschule Breidenstein auf der "Oberen Haide" eingeweiht.


1971
Am Totensonntag 1971 werden der neue Friedhof und die neue Friedhofskapelle eingeweiht.


1972
Am 13. September wird die in Gemeinschaftsarbeit errichtete Freizeithalle eingeweiht.


1974
Im Zuge der Gebietsreform wird Breidenstein ein Stadtteil von Biedenkopf, nachdem andere Pläne zur Bildung einer Großgemeinde mit den Gemeinden Wallau, Weifenbach und Wiesenbach scheiterten.


1992
Fertigstellung und Einweihung des neuen Kindergartens neben der Grundschule.


1992 bis 1993
Rückbau der Ortsdurchfahrt (Bundesstraße B 253)


1993
Am 18. September wird mit einem großen Seefest die offizielle Einweihung des Perfstausees gefeiert.


1998
Mit einem großen Volksfest begeht man in der Zeit vom 11. bis 14. Juni 1998 die Feierlichkeiten "600 Jahre Stadtrechte Breidenstein". Unter Anteilnahme fast der ganzen Breidensteiner Bevölkerung und tausender Besucher aus Nah und Fern wird ein Fest gefeiert, das man berechtigterweise als "einmalig" für Breidenstein bezeichnen darf.

 

Quellen:

Breidenstein, eine historische Stadt von Karl Huth.

 

Herausgeber:

Magistrat der Stadt Breidenstein im Jahre 1972

 

Zusammenstellung für diese Seite:
Reinhard Reichel ()

 

Der "Perfstausee" 1993 Der "Perfstausee" 1993
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